| |
|
| Bauherrschaft: |
Stockwerkeigentümergemeinschaft Gebhartstrasse
15 |
| Architektur: |
Halle 58 Architekten, Bern |
| Bauingenieur: |
Tschopp & Kohler Ingenieure
AG, Bern |
| Bauphysik: |
Gartenmann Engineering AG, Bern |
| Holzbauplanung: |
hrb Ingenieure, Thun |
| Holzbau: |
H. Beer AG Ostermundigen |
| Sanitärplanung: |
Boss Planungen, Gümligen |
| Elektroplanung: |
Elektro Paganini AG, Ittigen |
| Heizungs, Lüftungsplanung: |
Riedo Clima AG, Bern |
| Bezug: |
Oktober 2006 |
| weitere Informationen: |
Publikationen |
| |
|
|
Wo noch vor Jahresfrist drei
alte Autounterstände zerfielen, steht heute das erste Minergie-P-ECO
Haus der Schweiz. Fremd mutet der Wohn- und Lebensraum für drei
Familien im bernischen Liebefeld nur auf den ersten Blick an. Mit einer
Formsprache, die sich an den umliegenden Miethäusern aus den 60er
Jahren orientiert, wird bewiesen, dass energieeffizientes und ökologisches
Bauen nicht bloss in Einfamilienhaus-Siedlungen passt.
Die tragende Fassadenkonstruktion (Holzbauweise) ermöglicht eine
loftartige Raumeinteilung der Wohnung. Der großzügige lichtdurchflutete
Raum kann frei eingeteilt, und im Laufe der Zeit wiederum angepasst
werden. Die drei Etagen werden durch ein gemeinsames, offenes Treppenhaus
erschlossen. Passive Nutzung der Sonne, Einsatz erneuerbaren Energien,
Verwendung von langlebigen, natürlichen Materialien, sind wichtige
Aspekte der ökologischen Gesamtbetrachtung.
In Fussdistanz die Standseilbahn
auf den Gurten, sieben Bushaltestellen bis zum Hauptbahnhof: Das Dreifamilienhaus
an der Gebhartstrasse im bernischen Liebefeld verspricht urbanes Wohnen.
Umgeben von Mehrfamilienhäusern aus den 60er Jahren und Jahrhundertwendevillen,
gleicht der Minergie-P-ECO Bau einem modernen Wohnschiff. Der Bauplatz
setzt sich aus ehemaligen Garage-Verschlägen und einem Teil der
Grünfläche des benachbarten Mehrfamilienhauses zusammen. In
den 60er Jahren, bei der Planung der umliegenden Mehrfamilienhäuser
stand die serielle Platzierung identischer Wohnhäuser auf der Prioritätenliste
weit über der absoluten Ausnutzung der Grundfläche. Gebaut
wurde auf der grünen Wiese. Das ehemalige Aussenquartier liegt
heute mitten im Innenstadtring, ein begehrter Bauplatz. Die abgerissenen
Garagen sind durch eine kleine Tiefgarage unterhalb der Grünfläche
ersetzt worden.
Ökologisch, Energieeffizient
Nicht bloss urbanes Wohnen, sondern auch eine gesunde und ökologische
Bauweise war der Bauherrschaft von Beginn weg ein Anliegen. Mit den
Richtlinien eco-bau schien der entsprechende Normenkatalog gefunden.
Während der Realisation des Baus wurde ein neuer Standard, Minergie-Eco
lanciert und gleich auf das Haus im Liebefeld angewandt.
Was in Form eines hohen Fensteranteil bei der Energiebilanz belastend
zu Buche schlägt, hilft an anderer Stelle. Die gegen Süden
stehende Glasfront ermöglicht die passive Nutzung der einfallenden
Sonnenstrahlen. Um die Räume vor Überhitzung zu schützen,
wird die Wärmespeichermasse der Etagenböden mit Splittfüllung
und einem Zementüberzug erhöht.
Holzbauweise
Das Gebäudekonzept mit den grossen auskragenden Balkon- und Laubenganganteilen
beruht ganz auf Holzrahmenelementen. Das Untergeschoss des Gebäudes
ist eine massive Betonkonstruktion. Ab dem Untergeschoss handelt es
sich um einen kompletten Holzbau, dessen Fassadenbekleidung aus unbehandelten
Duripanel-Platten (zementgebundene Holzfaserplatten) besteht. Während
die Böden wie Betonrippen wirken, gibt die Verkleidung der nordöstlichen
Gebäudeecke mit Holzpaneelen zusätzlich Aufschluss über
das Baumaterial, die Holzrahmenkonstruktion. Rund zwanzig Jahre wird
es dauern, bis die Lärchenholzelemente die gewünschte graue
Patina aufweisen.
Heizen mit Sonne & Holz
Die Versorgung mit Heizenergie erfolgt mit einem modernen Holzpellets-Ofen.
Der Heizkessel ist im Untergeschoss untergebracht, das Gleiche gilt
für das Rohstofflager und den Speicher. Sie speisen die Niedertemperatur-Bodenheizungen
der drei Etagen. Die Versorgung mit Warmwasser erfolgt zu 76 % mittels
thermischer Solarenergie. Auf dem extensiv begrünten Flachdach
sind neben der Dachterrasse Sonnenkollektoren mit einer Absorberfläche
von 20 m2 untergebracht. Vorgesehen und vorbereitet ist eine zusätzliche
Photovoltaikanlage von 30m2 Grundfläche.
Text von Marion Schild
|